[Seminar] Zielorientiert moderieren. Methodisch leiten.

Letzte Woche besuchte ich am Zentrum für Soziale Kompetenz der Karl Franzens Universität das Seminar “Zielorientiert moderieren. Methodisch leiten.” Ich möchte nun die wichtigsten Eindrücke aus den 3 Tagen festhalten.

Montag 9:00 Uhr startete ich mit weiteren 24 Teilnehmern in das Seminar. Interessant war, dass nur 3 Männer in der Seminargruppe waren (was für mich als Techniker ein ungewöhnliches Arbeitsumfeld ist). Die Vortragenden waren Franz Wendler (Schwerpunkt Moderation) und Barbara Sandner (Schwerpunkt Leitung), beide selbstständige Trainer u. Coaches.

Highlights:

Inhaltlich war mir etwa 70% bereits bekannt, da ich davor schon ähnliche Seminare besucht hatte. Es waren jedoch auch einige neue Eindrücke dabei, die ich nun gerne festhalten möchte. Die folgenden Punkte habe ich als meine persönlichen Highlights aus dem Seminar mitgenommen:

Der “Icebreaker”:

Statt einer plumpen Vorstellungsrunde bastelten wir uns zu Beginn des ersten Tages Visitenkarten und tauschten Diese mit anderen Seminarteilnehmern aus. Damit kam man in ein erstes kurzes Gespräch und lernte sich kennen. Spannend war die Reflexion, über welche Themen im Small-Talk geredet wurde. Es überwiegten Themen zu Herkunft, Studium und Erfahrung mit Seminaren am Zentrum für Soziale Kompetenz. Kurz, es wurden also vorwiegend Gemeinsamkeiten gesucht. Danach folgten Aufstellungsspiele zu unterschiedlichen Themen, wie Herkunft, Platz in der Familienstruktur, Studium, Moderationserfahrung, Hobbies,…wieder konnte man Gemeinsamkeiten mit den bis dahin unbekannten Teilnehmern erkennen.

Danach folgte der nächste “Icebeaker”, der uns wohl die letzte Scheu voneinander nehmen sollte. Wir bildeten 3-er Teams und starteten mit einer Mini-Teamentwicklung, indem wir uns wechselseitig die folgenden Fragen stellten und beantworteten:

  • Was stört mich an mir selbst?
  • Worauf bin ich stolz?
  • Worüber ist es mir leichter gefallen zu sprechen? (Reflexion)

Das Eis war jetzt gebrochen und wir starteten mit dem inhaltlichen Teil.

Zusammenhang: Familienstruktur u. Charakter:

Abhängig von der Anzahl und dem Alter der Kinder in einer Familie bilden die Kinder einen unterschiedlichen Charakter aus. Es wird wie folgt unterschieden:

Kind Charaktereigenschaften
Einzelkindern (Es gibt keine Geschwister) Selbstorganisation
Die Ältesten (Es gibt nur jüngere Geschwister) Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsfähigkeit
Die Jüngsten (Es gibt nur ältere Geschwister) Risikofreudigkeit, Lernen am Modell
Die Sandwiches (Es gibt ältere und jüngere Geschwister) Vermittler, Anpassungsfähigkeit

Leider kann ich mich nicht mehr an alle Charaktereigenschaften erinnern, die genannt wurden. Aber es war auf jeden Fall interessant sich selbst darin zu erkennen oder auch nicht. Im Seminar haben wir dazu auch ein Aufstellungsspiel gemacht, um die Verteilung der Einzelkinder, Ältesten, Jüngsten und Sandwiches sichtbar zu machen.

Formel für grobe Zeiteinteilung für Meetings:

Als Organisator eines Meetings steht man immer vor der Herausforderung die passende Länge für ein Meeting zu wählen und diese dann durch gute Moderation einzuhalten. In meiner Scrum Master Praxis verlasse ich mich da meist auf meine Erfahrung. Im Seminar habe ich einen simplen aber hilfreichen Ansatz kennengelernt, der bei der Planung aber auch in der Moderation von Meetings oder Diskussionen angewendet werden kann. Aus folgender simplen Formel ergibt sich die theoretisch verfügbare Redezeit pro Teilnehmer:

Theoretisch gleichverteilte Redezeit pro Teilnehmer = Meetingzeit / Teilnehmeranzahl

Klingt logisch – ist es auch! Mancham reicht es sich gewisse banale Dinge vor Augen zu führen und bewusst zu machen. Für mich ergeben sich 2 sinnvolle Anwendungsfälle für die Formel:

  1. Meeting-Organisation: Weiß ich die Teilnehmeranzahl kann ich durch Einschätzung der theoretischen Redezeit der Teilnehmer die Meetingdauer fundierter planen
  2. Meeting-Moderation: Überschreitet ein (dominanter) Teilnehmer seine Redezeit maßiv, so kann ich ihn mit Hilfe dieser Formel auf seine theoretische Redezeit hinweisen und ihm damit das Ungleichgewicht der Diskussion vor Augen führen.

Priorisierung durch semi-geheime Punktebewertung:

Ich habe die Punktebewertung zur Priorisierung bisher immer “offen” (für alle einsehbar) durchgeführt. Um die gegenseitige Beeinflussung etwas zu senken haben wir im Seminar die “semi-geheime” Punktebewertung kennengelernt:

  • Flipchart wird für die Punktebewertung verdeckt zu Teilnehmern aufstellen (vgl. Wahlkabine)
  • Jeder Teilnehmer geht nacheinander zum verdeckten Flipchart und gibt seine Punktebewertung ab

Semi-geheim ist die Methode deshalb, da der zweiter Teilnehmer sieht was der erste gewählt hat, für alle weiteren ist es allerdings nicht nachvollziehbar wie von den Anderen bewertet wurde. Die Beeinflussung ist natürlich nachwievor gegeben, da man ja sieht wie die Stimmen verteilt wurden, aber zu mindest weiß man nicht wer für welche Themen gestimmt hat.

Weiters gab es bei der Vergabe der Punkte eine Einschränkung:

  • Es dürfen nicht alle Punkte (z.B. 3 / 3 Punkten) für ein Thema vergeben werden um die Einflussnahme eines Einzelnen zu verringern
  • Wenn mehrere Punkte (z.B. 2 / 3 Punkten) auf ein Thema vergeben werden, dann müssen diese Punkte überlappend aufgekelbt werden um diese Mehrfachvergabe optisch sichtbar zu machen
  • Wenn es bei der Auswertung zu ex aequo Entscheidungen kommt gewinnt dann jenes Thema, das von mehr Teilnehmern gewählt wurde (also weniger überlappende Punkte hat)

Zufriedenheitsachse oder -matrix:

Eine Zufriedenheitsachse oder -matrix visualisiert die Zufriedenheit der Teammitglieder und lässt sich für unterschiedlichste Themen erstellen. Beispiele für Themen können sein:

  • Einfluss
  • Arbeitsklima
  • Qualität
  • Testabdeckung
  • Arbeitsmoral
  • Entscheidungsfindung

Die Themen können als Achse eindimensional…

zufriedenheitsachse

…oder als Matrix zweidimensional dargestellt werden:

zufriedenheitsmatrix

Diese Methode könnte ich mir gut für eine Retrospektive vorstellen: Jedes Teammitglied bewertet semi-geheim unterschiedliche Zufriedenheitsachsen oder -matrizen. Am Ende macht man eine Auswertung der Bewertungen und diskutiert die Ergebnisse.

Empfehlung:

Aus meiner Sicht ist das Seminar für Menschen mit Moderationshintergrund sehr gut geeignet um die eigene Moderationskompetenz zu verbessern. Wenn man bereits Moderations- und/oder Führungs-Erfahrung mitbringt, wird man keine ganz großen neuen Erkenntnisse mitnehmen können, aber so manches von seiner Arbeitsweise optimieren können. Der Themnbereich “Leitung” des Seminars ist aus meiner Sicht sehr “basic” gehalten und wirklich nur für Personen geeignet, die noch keine Führungserfahrung im Job sammeln konnten und sich noch nicht mit dem Thema “Führung” in anderen Seminaren befasst haben. Durch zahlreiche Rollenspiele und Übungen im Team wirkt das Seminar kurzweilig und wird nie langweilig.

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Stefan Wunder

My name is Stefan Wunder and I am a passionate Agile coach from Graz, Austria. I have been working in the software industry since 2006, being an agile practitioner since 2011. I have experience with pioneering Agile, transitioning teams from waterfall to Agile, as well as working with established high performance teams within scaled agile enterprises. I worked with co-located as well as with dispersed teams, in start-ups, medium sized companies and big global enterprises in various industries. Currently I am working as enterprise Agile coach at AVL List GmbH.

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