Konflikte im Team managen

Arbeit in Teams birgt in der Regel ein hohes Konfliktpotential. Kurtz (1983) definiert einen Konflikt wie folgt:

“Ein sozialer Konflikt ist eine Spannungssituation, in der zwei oder mehrere Parteien, die voneinander abhängig sind, mit Nachdruck versuchen, scheinbar oder tatsächlich unvereinbare Handlungspläne zu verwirklichen und sich dabei ihrer Gegnerschaft bewusst sind.”

In den meisten Fällen sind Konflikte harmlos und schnell vergessen. In einigen Fällen können Konfliktsituationen jedoch eskalieren und zu einem großen Impediment werden. Nicht der Konflikt ansich, sondern der Umgang mit dem Konflikt ist dabei das Problem. Es wird in der Literatur zwischen zwei Arten der Konfliktlösung unterschieden:

Destruktive Konfliktlösung:

Dabei wird die Person als die Wurzel des Problems wahrgenommen (man befindet sich auf der Beziehungsebene) und nicht der eigentliche Konflikt auf der Sachebene.

Konstruktive Konfliktlösung:

Das Problem wird als Sache erkannt und gemeinsam gelöst. Die beteiligten Personen treten sich respektvoll gegenüber und akzeptieren sich als Personen mit unterschiedlichen Standpunkten.

Konflikte ansprechen:

Konflikte im Team zu erkennen und anzusprechen ist Aufgaben des Scrum Masters. Wie soll man aber einen heiklen Konflikt ansprechen? – Ich persönlich bediene mich in Konfliktsituationen gerne einem gängigen Hilfsmittel:

Ich-Botschaften

Du-Botschaften finden auf der persönlichen Ebene statt und werden als abwertend, Vorwurf oder Angriff vom Empfänger wahrgenommen (z.B.: Du bist wirklich der unpünktlichste Mensch den ich kenne.). Ich-Botschaften hingegen wahren das menschliche Grundbedürfnis nach Achtung und Wertschätzung. Grundsätzlich kann jede Du-Botschaft auch als Ich-Botschaft formuliert werden. Die Regeln sind dabei die folgenden:

  • Meine innere Haltung ist wertschätzend und eigenverantwortlich
  • Ich beschreibe das auslösende Verhalten, ohne es zu bewerten
  • Ich beschreibe meine Empfindungen und eventuelle Auswirkungen
  • Ich äußere meine Wünsche und mache Lösungsangebote

Somit kann obiges Beispiel als Ich-Botschaft wie folgt ausgedrückt werden:

Ich bin wirklich verärgert, dass wir bei Meetings häufig auf dich warten müssen und dadurch in Zeitnot geraten. Ich wünsche mir, dass du dich verlässlich an unsere Termine hältst.

Der Unterschied zur Du-Botschaft: Die Ich-Botschaft ist zwar hart in der Sache aber freundlich im Ton und bleibt auf der Sachebene.

Hat man den Konflikt angesprochen, sollte man eine Strategie für die Konfliktbewältigung verfolgen.

Konfliktbewältigugsstrategien

Nicht jeder Konflikt ist gleich. Daher sollten auch die Strategien zur Konfliktbewältigung variieren. Gerhard Schwarz beschreibt fünf Konfliktbewältigungsstrategien:

Strategie Vorteile Nachteile
Flucht Weg des geringsten Widerstandes, einfach, rasch, schmerzlos Scheinlösung, Konflikt wird aufgeschoben
Kampf schnelles Konfliktende, eine(r) siegt gefährliche Weiterentwicklung
Delegation schnell, sachlich, neutral Schiedsspruch von Außen wird nicht akzeptiert
Kompromiss Interessen aller werden so gut wie möglich berücksichtigt, Lösung aus eigener Kraft hoher Zeitaufwand, Instabilität durch “faule Kompromisse”
Konsens Vollständige Lösung aus eigener Kraft, Stabilität der Entscheidung Hohe Anforderung an Beteiligte, hoher Zeitaufwand

Persönlich finde ich das Herbeiführen eines Konsens oder Kompromisses die erstrebenswerteste Konfliktlösung im Team, da diese selbstständig durch die Beteiligten bewältigt werden kann. Delegation (z.B. zum Vorgesetzten) ist eine sinnvolle Strategie, wenn der Konflikt nicht mehr selbst im Team gelöst werden kann oder kein Kompromiss gefunden werden konnte. Flucht und Kampf sind meist die schlechtesten Lösungen, da sie Konflikte nicht lösen sondern nur Aufschieben und die Stimmung im Team zerstören können.

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