8 Gründe warum ich Agile Entwicklung gut finde

Ich beschäftige mich nun seit etwa 5 Jahren mit agiler Softwareentwicklung und Lean Production Systems. Wie die meisten war ich auf der Uni wärend meiner Ausbildung mit dem gängigen Wasserfallmodell vertraut gemacht worden. Als ich dann zum ersten mal über Extreme Programming in einer Vorlesung von Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Slany an der TU Graz hörte war die Verwirrung entsprechend groß über das was mir da erzählt wurde – die Verwirrung schlug jedoch in Neugierde um und wurde immer größer – und so begann ich mich nach erfolgreicher Absolvierung der Lehrveranstaltung mit Extreme Programming, Scrum, Kanban und Lean Production im Detail zu befassen.

Ich habe in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn in der Softwareentwicklung beide Paradigmen (Wasserfall und Agil) im Einsatz erlebt und habe in den meisten Fällen die agile Methodik als die zeitgemäßere empfunden. Die persönlichen Gründe dafür möchte ich hier kurz zusammenfassen:

  1. Lean: Agile Entwicklung zielt auf einen “schlanken” Produktionsprozess ab. Dadurch fallen überflüssige Tätigkeiten weitestgehend weg und der Fokus richtet sich auf das nutzenbringende Produkt. “Weniger ist mehr” unter der Voraussetzung dass das, was gemacht wird, gut gemacht wird war schon immer mein Leitspruch im Studium und Beruf. Designer haben dies ja schon lange für sich entdeckt.
  2. Value: In meiner Ausbildung zum zertifizierten Value Manager habe ich viel über eine wertbasierte Denkweise im Management gelernt. In der agilen Entwicklung wird genau diese Denkweise umgesetzt – es ist oberstes Ziel die Produktentwicklung inkrementell nach dem Wert der Produktinkremente priorisiert umzusetzen um somit den Business Value stetig zu maximieren.
  3. Kollaboration: Wissensintensive Tätigkeiten bedürfen einem hohen Maß an Kommunikation und Kollaboration. Um die Vorteile der Gruppenarbeit zu erhalten wird häufig in vielen Unternehmen in Teams gearbeitet. Jedoch ist ein Team, das nicht miteinander kollaboriert wertlos. Daher definiert das agile Manifest “Kollaboration” als einen der absolut wichtigsten Kernwerte.
  4. Motivation: Wenn ich an einem Tag produktiv war gehe ich zufrieden und mit einem guten Gefühl ins Bett – das kennt ihr doch auch, oder? Agile Methoden schaffen einen Rahmen für höchste Produktivität am Arbeitsplatz und steigern dadurch das Gefühl etwas geschafft zu haben und somit die Motivation der Mitarbeiter. Weiters bieten agile Arbeitsweisen den Beteiligten viele Freiheiten und Platz zur Selbstverwirklichung – laut Herzberg der Schlüssel zur nachhatigen Motivation der Mitarbeiter.
  5. Innovationskultur: Agile Methoden hängen meiner Meinung nach thematisch sehr stark mit Innovations- und Wissensmanagement zusammen. Es ist nur in einer Unternehmenskultur, die Innovation, Kreativität, Selbstverwirklichung und persönliche Entfaltung fördert möglich agil zu arbeiten.
  6. Kreativität: Agilität heißt auf Veränderungen rasch reagieren zu können. Dabei ist ein hohes Maß an Kreativität erforderlich. Der Schlüssel jeder Innovation, eines jeden neuem Produktes oder Dienstleistung ist letztlich Kreativität.
  7. Kontinuierliche Verbesserung: Agile Methoden sehen die kontinuierliche Verbesserung als einen festen Bestandteil der Methodik. Letztlich soll nicht nur auf Veränderungen rasch reagiert werden können sondern auch gelernt werden. Ein wesentlicher Teil des Lernens in agilen Prozessen ist “Learing by doing”.
  8. Realismus: Agiler Entwicklung haftet ein gesunder Realismus an. Vor allem in der Softwareentwicklung wurde dieser viele Jahre lang durch unrealistische Deadlines, Anforderungen, Kundenwünsche, usw untergraben. Es ist nunmal meist schwieriger als man anfangs denkt ein neues Produkt zu entwickeln.

Nicht immer läuft alles in der Praxis so glatt wie oben beschrieben. Aber selbst wenn es nicht optimal läuft ist es meist besser als wenn gar kein Bewusstsein für Agile Arbeitsweisen gegeben ist. Die oben angeführten Gründe habe ich mir mehr oder weniger frei von der Seele geschrieben. Sie widerspiegeln meine persönliche Sichtweise und müssen daher nicht immer genauen Definitionen in der Theorie entsprechen. Wer diese Sichtweise  durch eigene Gedanken ergänzen möchte oder Anderer Meinung ist, ist herzlich eingeladen Kommentare zu hinterlassen 😉